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Der gleiche Kack im selben Frack:

Deutsche Armee feiert sich selbst.

Am 26. Oktober feierte sich die deutsche Armee vor dem Reichstag, mit Fackeln, Trommeln, Pfeifen und Trompeten, mit „Still gestanden!“ und „Helm ab zum Gebet“ – mit einem Großen Zapfenstreich, traditionell wie schon 1838.

Das Motto: „50 Jahre Bundeswehr – 50 Jahre Parlamentsarmee“. Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Demokraten, hat doch der Bundestag selbst erst im letzten Jahr die Demokratie durch das „Vereinfachte Zustimmungsverfahren“ (womit Kriege ohne Zustimmung des Parlaments beschlossen werden) weiter ausgehöhlt.

Während um 17 Uhr die Armee-Propagandaveranstaltung mit einem Empfang im Paul-Löbe-Haus losging, sammelten sich etwa 2.000 Menschen am Alexanderplatz zur Demonstration gegen den deutschen Militarismus. Nicht nur anti-militaristische und anti-faschistische Gruppen, sozialistische und kommunistische Organisationen, sondern auch WASG, Linkspartei.PDS und „ver.di Medien, Kultur, Industrie – Berlin“ hatten aufgerufen. Allerdings war die Mobilisierung der Reformisten mal wieder ziemlich halbherzig, bedenkt mensch, dass die Linkspartei in Berlin 11.000 Mitglieder hat. Ihr Bundestagsabgeordneter Paul Schäfer nahm übrigens an der Bundeswehr-Feierstunde teil.

Vom Alexanderplatz zogen wir – nach der üblichen Schikane – um 18 Uhr los in Richtung Brandenburger Tor. Mit unserem Transparent, das wir vor dem Lautsprecherwagen des Zapfnix-Bündnisses hertrugen, erinnerten wir an Karl Liebknecht und seinen berühmten Ausspruch „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“. Die während der Demo gehaltenen Reden, wiesen vielfach auf den Zusammenhang zwischen der Umstrukturierung der Bundeswehr und der verschärften internationalen Konkurrenz hin. Auch der Redner von REVOLUTION machte auf die große Bedeutung des Antimilitarismus für die Jugend in aller Welt aufmerksam.

An der Ecke Glinkastraße ging es mit der Demo nicht weiter, denn der Weg war von Absperrgittern, drei Reihen Polizisten in Kampfmontur, mehreren Mannschaftswagen, Wasserwerfer und Räumpanzer versperrt.

Auf der Kundgebung wurde die Polizei aufgefordert, uns den Weg freizumachen, da wir sowohl einen richterlichen Beschluss als auch die Zusage eines Staatsantwalts hatten, dass wir um 20 Uhr vor dem Brandenburger Tor stehen dürften.

Erst um 20.20 Uhr kam die Antwort: Etwa zwanzig grüne Schläger sprangen über das Gitter und prügelten los. Der Angriff konnte jedoch mit Hilfe von Menschenketten abgewehrt werden und letztendlich wurden wir zum Brandenburger Tor durchgelassen, denn der verspätet begonnene Zapfenstreich hatte nun geendet.

Video des Zivibullen

Am bekanntesten geworden ist bei der Demo ein Zivilbulle, der vom Prügeln etwas aufgeregt wurde: Er vergaß offenbar, dass er keine anonymisierende Uniform trug und bei seiner Tat von Dutzenden Kameras umringt war. So konnte die Staatsmacht nicht anders als ihn zu versetzen und ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

Allerdings hatte der Vorfall für die bürgerliche Presse auch ein gutes: Nachdem am Mittwoch nur über eine Demonstration gegen den tollen Zapfenstreich berichtet wurde, bei der es „einzelne Rangeleien mit der Polizei“ gegeben hätte, musste tags darauf zur Polizeigewalt nur geschrieben werden, dass ein Zivilbeamter ausgetickt sei und sofort die Konsequenzen ziehen musste.

Ich möchte, um die „Unabhängigkeit“ der bürgerlichen Presse zu unterstreichen, ebenso enden wie ein Artikel der Berliner Zeitung über freundliche, aber bestimmte Feldjäger: „Im nahen Tiergarten fand die Polizei schließlich mehrere Depots mit Pflastersteinen und Farbbeuteln. Richtig friedliche Absichten hatten einige Friedensdemonstranten offenbar nicht.“

//von Ladmie aus Kreuzberg //REVOLUTION Nr. 14 //this article in English
//Aufruf von REVO zum Großen Zapfenstreich

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